Planungs- / Vernetzungstreffen München, 19.03.2010

TOP 1 - 4?

TOP 5: Planung Bildungscamp

Diskussion um Sinn und Unsinn einer Fahrraddemo. Einwand: Soll nur davon abgelenKt werden dass nicht genug Leute mobilisiert werden können Viele Menschen begrüßen die Innovation die eine solche Demo bringt Es werden Details und das Prozedere der Demo diskutiert. Bildungsstreik organisiert diese Demo Ausgrenzung von Menschen die kein Fahrrad besitzen? → Klassengesellschaft Ausgrenzung von Menschen von Außerhalb. Es wird stark nach München mobilisiert.

Die Demos sind in München immer größer geworden (ausgenommen die kleineren Besetzungsdemos) Viel mehr Aktive als letztes Jahr ⇒ keine Angst vor Standarddemo

Weiterer Vorschlag: Zwei parallele Demos Fahrrad und Fußgänger.

Vorschlag Standarddemo mit dem „Fahrradblock“

Es werden jetzt zunächst einmal die Machbarkeiten der Aktionen geprüft.

TOP 6: Inhalt

das wichtigste ist nicht Antikapitalismus, sondern das zentrale Bildungsthema

Wie können die Forderungen umgesetzt werden? Einigung auf gemeinsames Thema möglich? Wir sollten uns auf die grundlegenden bildungspolitischen Inhalte einigen, alles andere kann in Workshops thematisiert werden. Bildungssystem wie es jetzt ist hat historischen Hintergrund. Eliten geben sich die Klinke in die Hand, Eliten sind gruselig… Wir müssen uns auf einige Konsensforderungen einigen. In der Systemfrage finden wir eh keinen Konsens.

(Protokollantenwechsel)

Das Bildungswesen in dieser Gesellschaft

Die altbekannten, oft wiederholten Beiträge zum Bekenntnis zur Systemfrage (ob z.B. eine Revolution nötig sei, eine Glaubenssache sei, kaum zustande kommen könne, wie die Geschichte beweise, nie lange halte, man deswegen immer nach dem kleineren Übel ausschauen müsse) werden als unsachlich zurückgewiesen. Auch der bunte Strauß von Verbesserungsvorschlägen sollte zurückgestellt werden, bis man weiß, inwiefern Bildung in dieser Gesellschaft eine gute Sache in schlechter Ausführung oder eine gute Ausführung einer schlechten Sache ist. Dann erübrigen sich schließlich Verbesserungsvorschläge!

Folgende Thesen wurden aufgestellt:

  • irgendwie - wird es nie eine zwanglose Bildung geben, denn Bildung ist gezwungenermaßen abhängig von
    • Finanzierung, denn das Geld reicht nie oder soll für was anderes ausgeben werden
    • der Tradition, z.B. an welche Inhalte Lehrer gewöhnt sind, die sie so leicht nicht lassen
    • einem Nützlichkeitszwang, denn das, was man lernt, soll ja immer irgendwie nützlich sein - denn bei Bildung soll etwas heraus kommen
  • Gegenrede: Das sind Behauptungen, die im Plenum gar nicht von allen geteilt werden. Das „irgendwie“ und „etwas“ müsste genauer bestimmt werden. Der Unterschied von „Zwängen“, die sich aus der Logik der Sache ergeben und Zwängen, die gewaltsam von außen, z.B. Staatshaushaltsposten = Geld, fremde Ansprüche an ausgebildetem Menschenmaterial, aufgemacht werden, sind zu trennen.
  • Selektion - wird es immer geben,
    • weil die Menschen verschieden sind;
    • weil man es den Individuen nicht überlassen kann, was sie lernen sollen;
    • weil in allen Schulsystemen - früher oder später - selektiert wird;
  • Gegenrede:
    • Es wurde darauf verwiesen, was Selektion in dieser Gesellschaft bedeutet (Duden: Selektion; die; -, -en <lat.>: 1. Aussonderung, Auswahl. 2. (Biol.) Auslese, Zuchtwahl; ): Wer nicht erfolgreich genug in einer vorgegebenen Zeit lernt, wird von weiterem Wissen und Lernen ausgeschlossen. Mit individueller Förderung ist das nicht zu verwechseln. Die Aussonderung nach Noten nimmt die sich zufällig aus dem Lernen pro Zeit ergebenden Unterschiede zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten Lebensphase zum Anlass, ein Urteil über die Natur der Individuen zu fällen: Das ist einer, der eignet sich nur für Handarbeit, das ist eine, die eignet sich nur für Kopfarbeit usw. Die verschiedenen Ergebnisse des Noten -mäßigen Vergleichsurteils werden zur Charakter- und Menschennatur erklärt - vom den Erziehern, Lehrern und von den Beurteilten selbst. Man ist dann eben so einer und fühlt sich als so eine, wie einem die Schule, das Bildungswesen beurteilt hat. Die Maßstäbe für die Hierarchie fallen nicht vom Himmel. Der Zwang zum Verteilen kommt vom Bedarf der Anwender. Staat und Geschäftswelt beziehen sich auf die Individuen als Menschenmaterial. Sie haben verschiedene Bedürfnisse nach verschieden ausgebildeten Menschen. Aus der existierenden Berufshierarchie ergeben sich die Selektionsmaßstäbe des Bildungswesens. Darin könnten vielleicht auch Gründe zu finden sein, warum verschiedene Gesellschaften oder Länder verschiedene Systeme haben.
    • Wenn verschiedene Menschen bei dem Wort „Selektion“ mal an etwas mehr mal an etwas weniger Angenehmes oder Vernünftiges denken wollen, hilft das bei der Beurteilung der Selektion, die es gibt, nicht weiter. Wer ganz individuell ein Wort anders verwenden will, als im Sprachgebrauch gilt, scheint sich mit den Mitmenschen nicht in der Sache verständigen zu wollen, sondern nur Anerkennung seiner individuellen Besonderheiten einzufordern. Da gilt es, sich zu disziplinieren wie beim Diskutieren nach Gesprächsregeln. Nach einer Übungsphase unter Anleitung kann man sich auch selbst dazu entscheiden, sich an die Regeln zu halten, wenn man ihre Funktion = Nützlichkeit für einen gemeinsamen Zweck, teilt.
    • Bei der Verwendung des Wortes „Selektion“ daran zu denken, dass die Menschen unbestreitbar und erfreulicherweise verschieden sind, kann nichts mit der Auswahl nach Noten auf Schulzweige zu tun haben.
    • Wenn mit Bildung Vermittlung von Wissen an Unwissende gemeint ist, dann gilt, dass der Un-Wissende gar nicht weiß, wie = mit welcher Systematik das in einer Gesellschaft vorhandene Wissen ökonomisch und / oder logisch zu lernen ist. Dem Unwissenden damit geholfen, dass er belehrt wird. Gleichzeitig ist in Rechnung zu stellen, dass Kinder von Natur aus wissbegierig sind! Sie müssen nicht zum Lernen gezwungen werden. Trotzdem gibt es die Schulpflicht, die Hausaufgabenpflicht usw. (Man könnte mal darüber nachdenken.).
  • Wer eine gute Bildung fordern will, braucht Utopien!
    • Auf andere Aussagen z.B. zum bestehenden Bildungssystem kann man sich ohnehin nicht einigen.
    • Nur, wenn man Vorstellungen entwickelt, wie gute Bildung aussehen könnte, kann man andere dafür gewinnen, sich gegen die bestehende Bildung zu engagieren.
  • Gegenrede: Man musste bei dem Versuch der Ausmalung davon, wie es schön wäre feststellen, dass immer die existierende Sache - die Schule - mit den Elementen vorkommt, die einem nicht passen. Die Utopie besteht dann in lauter Ver - Urteilungen der kritisierte Sache. Diese sind aber nicht begründet und insofern überzeugen sie niemanden. Wenn einer zufällig meinen Geschmack teilt, ist das Glücksache. Wenn man aber andere von einer Kritik an der Schule überzeugen will, muss man seine Verurteilung schlüssig begründen. Da gibt es noch viel zu tun.
  • Als einigermaßen verwunderlich wurde die Behauptung bezeichnet, dass man sich auf keine Erkenntnisse einigen könnte. Schule und Uni vermitteln ganz viel Wissen, das man sich aneignet und in Prüfungen wiedergibt. Und hätte man sich nicht darauf geeinigt, könnte kein Lehrer feststellen, welche Note man verdient. Oder schreibt jeder in Prüfungen lauter Zeug rein taktisch, geheuchelt nur um gute Noten zu bekommen, gegen die eigene Überzeugung auf? Eher zeigt das, dass man sich auch auf falsche Urteile einigen kann. D. h. man hat sich von der Autoritätsperson überzeugen lassen und die Urteile gar nicht erst geprüft.
protokoll_planungs-_vernetzungstreffen_19.03.2010.txt · Zuletzt geändert: 31.03.2010 23:25 von ag_mobilisierung
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