Der aktuelle Vorschlag des AK Inhalt befindet sich hier.
Stand 16.11.09 [Text vom 15.11.09 unter Reiter „Ältere Versionen“ oben zu finden]
Bildung betrifft alle.
Der Bildungsstand eines Menschen und seine soziale Stellung sind direkt voneinander abhängig. Insbesondere in Deutschland werden die Bildungschancen des Einzelnen bestimmt von Herkunft, Bildung und Einkommen ihrer Eltern. Deshalb kann der Themenkomplex Bildung von den sozioökonomischen Strukturen der Bundesrepublik nicht isoliert betrachtet werden.
Unsere Protestbewegung versteht Kritik an Bildungsverhältnissen immer auch als Kritik an gesellschaftlichen Zusammenhängen. Unser Ziel ist Bildung als gesellschaftsübergreifenden Dialog zu verstehen und somit bisher nicht beachteten Stimmen ein Plenum zu geben. Die Besetzer des Audimax vertreten daher nicht nur rein studentische Interessen.
In einer Demokratie muss Bildung in erster Linie die Befähigung zur Partizipation des Einzelnen in der Gesellschaft zum Ziel haben. Nur so kann Mündigkeit im privaten, beruflichen und politischem Kontext gelebt werden.
Gemäß dieses Anspruchs sehen wir unsere institutionell verankerten Mitspracherechte nicht als ausreichend an. Deshalb nutzen wir die öffentlichen Räumlichkeiten der Universität, die für alle zugänglich sind und jeder Meinungsäußerung offen stehen.
Wir sind uns bewusst, dass durch die Besetzung universitäre Veranstaltungen eingeschränkt werden. Unsere Absicht ist dabei nicht, Hochschulbildung zu blockieren. Es geht vielmehr darum, durch dieses Forum ein gerechtes, freiheitliches und integratives Bildungssystem zu erreichen.
Folgendes Positionspapier spezifiziert, wie dieses realisiert werden kann und schlägt konkrete Veränderungen vor. Alle von uns gestellten Forderungen im Bildungsbereich sind dabei jedoch immer in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext zu begreifen. Ein gerechtes Bildungssystem ist ohne gravierende Veränderungen der sozioökonomischen Strukturen nicht denkbar.
Demokratie ist ohne freie Bildung nicht möglich, freie Bildung ist ohne Demokratie nicht möglich. Erst freie Bildung gewährleistet mündige Bürger, die für eine funktionierende Demokratie unerlässlich sind. Aus diesem Grund erfordern Hochschulen als Orte der Bildung eine demokratische Struktur.
Diese demokratische Struktur sehen wir momentan nicht ausreichend verwirklicht.
Weder auf landes- noch auf bundespolitischer Ebene sind derzeit Vertretungsgremien seitens der Lehrenden und Lernenden vorgesehen oder berücksichtigt. [Beispiel]
Hochschulen sind hierarchisch strukturiert. Nicht Hierarchien selbst stellen ein Problem dar. Hierarchien sind gerechtfertigt, wenn sie auf demokratischen Strukturen beruhen und ihrer Verantwortung allen Hochschulangehörigen gegenüber gerecht werden. Um einer Entfremdung von Hochschulleitung, Lehrenden und Lernenden auf allen Ebenen entgegenzuwirken, setzen wir uns für eine angemessene Verteilung von Entscheidungsbefugnissen und Mitspracherechten ein.
Wir fordern die Zusammensetzung aller Hochschulgremien nach kompetenzgetreuer Drittelparität, damit alle beteiligten Gruppen angemessen repräsentiert sind und dabei eine effiziente Entscheidungsfindung nicht aus den Augen verloren wird.[Gründe, Beispiel eim Anhang]
Wir fordern weiterhin eine Verfasste Studierendenschaft, wie sie in allen deutschen Bundesländern außer Baden-Württemberg und Bayern gang und gäbe ist. Alle Studierendenvertretungen sind in der Lage, als Rechtsperson zu agieren und ihre Finanzen selbständig zu verwalten.
[Bsp. Parität] In den Hochschulgremien Senat und Hochschulrat, zwei der drei Hauptorgane der Hochschule, ist die Zusammensetzung der stimmberechtigten Mitglieder nicht angepasst an eine verteilungsgerechte Repräsentation aller Hochschulangehörigen. Auf beispielsweise einen Studierendenvertreter kommen acht externe Hochschulratsmitglieder, die bildungsfremden Bereichen angehören und deren Stimmbeteiligung auf keiner rechtzufertigenden demokratischen Kompetenz beruht.
Arbeitsmarkt und Bildung sind nicht komplett voneinander trennbar. Dennoch ist Bildung immer auch Selbstzweck.
Eine Kooperation zwischen Wirtschaft und Hochschule ist vor allem in natur- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern unerlässlich. Die Lehre an Hochschulen muss aber parallel zur Qualifikation für den Arbeitsmarkt, auch immer die Möglichkeit einer eigenständigen Auseinandersetzung mit Wissenschaft und Gesellschaft bieten. Diese Freiheit der Lehre darf durch die Wirtschaft weder diktiert noch eingeschränkt werden. Dafür muss auch gewährleistet sein, dass eine finanzielle Unterstützung der Universitäten durch die Privatwirtschaft zu keinerlei Abhängigkeitsverhältnis führt.
Vielmehr muss die Hochschule sowohl in der Gestaltung der Inhalte und deren Vermittlung als auch finanziell autonom sein. Diese Autonomie zu gewährleisten ist Aufgabe des Staates.
[Hochschulräte]
Ein weiteres Beispiel für den externen Einfluss sind die Konkordatslehrstühle, die nur mit Zustimmung der katholischen Kirche besetzt werden - die Kirche hat ein Veto-Recht in einem Prozess, der eigentlich demokratisch und hochschulintern geschehen sollte. Es handelt sich dabei auch um Lehrstühle in nicht-theologischen Fächern, wie etwa in Soziologie, Pädagogik und Philosophie.
Bildung ist ein Grundrecht. Sie ist der Schlüssel für die freie Entfaltung und Entwicklung eines Menschen. Bildung fördert einen kritischen Umgang mit politischen und gesellschaftlichen Vorgängen und macht uns zu mündigen Bürgern. Bildung muss kostenfrei sein – und zwar ein Leben lang! Die Möglichkeit zum Lernen und zur Weiterbildung soll jedem Menschen jederzeit nach Eignung und Neigung gegeben sein.
Dass diese Forderungen noch nicht verwirklicht sind, zeigt der geringe Anteil von Menschen aus benachteiligten sozialen und wirtschaftlichen Situationen (wie z. B. Migrationshintergrund oder nicht-akademischem Elternhaus) unter GymnasiastInnen und Studierenden. Im Gegenteil: Diese Ungleichbehandlung wird durch die Erhebung von Studiengebühren noch weiter verschärft.
Auch an Schulen und Hochschulen ist die sozioökonomische Zuordnung von Menschen zu eindeutig definierten Geschlechterrollen weiterhin gelebte Praxis und diskursive Normalität. Dies beginnt bereits in Kinderkrippe, Kindergarten, Grundschule und setzt sich an den weiterführenden Schulen und Hochschulen fort. Bereits sehr früh werden Menschen anhand ihres konstruierten Geschlechtes sortiert. Die Genderbenachteiligung geht zu Lasten beider Seiten. So schaffen z. B. weniger Jungen als Mädchen den Übertritt aufs Gymnasium. Die patriarchale Konstruktion von Geschlechterverhältnissen trifft dabei später besonders Frauen, die z. B. als Lehr- und Forschungspersonal in den Hochschulen unterrepräsentiert sind. Dozentinnen und Professorinnen werden meistens schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Von der gesellschaftlichen Geschlechternorm abweichende Menschen, z.B. Homosexuelle, Transgender oder Intersexuelle werden in allen gesellschaftlichen Bereichen ausgegrenzt und diskriminiert. Die Bildungseinrichtungen stellen dabei keine Ausnahme dar. Wir fordern deswegen die absolute Gleichstellung aller Menschen in allen Bereichen der Gesellschaft ungeachtet von biologischem Geschlecht (sex), sozialem Geschlecht (gender) und individueller sexueller Orientierung. Eine Einteilung von Individuen in Mann und Frau steht der freien Entfaltung der Person im Wege.
Zur Überwindung der patriarchalen Herrschaftsverhältnisse halten wir unter anderem eine gender-sensible LehrerInnenbildung für nötig. Eine konsequente Umsetzung von Quotenregelungen soll der Genderungleichheit strukturell entgegenwirken.
“Gender” (engl.) = gesellschaftlich zugeschriebene Geschlechterrolle
Der Zugang zum deutschen Bildungswesen stellt für MigrantInnen durch unterschiedliche Indikatoren eine erhöhte Schwierigkeit dar. Eine Ausgrenzung findet bereits durch Sprache oder Herkunft statt. Bürokratische Barrieren bezüglich Aufenthaltsrechts sowie erschwerte Anerkennung der Zulassungsberechtigung beim internationalen Hochschulzugang und -wechsel. Der einseitig kulturelle Zwang untergräbt Mehrsprachlichkeit und die freie Entfaltung der Person. Ausgrenzung von sogenannten illegalen Flüchtlingen durch verhinderten Bildungszugang darf nicht möglich sein. Schulen dürfen nicht verpflichtet sein, Flüchtlinge zu melden. Wir fordern deshalb die Anerkennung und Gleichstellung aller Abschlüsse aus anderen Staaten und den freien Zugang zu Bildung unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und materiellen Voraussetzungen. Darüber hinaus fordern wir die Bereitstellung ein von Deutschkurse und juristische Beratungsstellen an Schulen und weiterführenden Bildungseinrichtung. Des Weiteren fordern wir weniger westlich und christlich dominierte Themenschwerpunkte in schulischen Lehrplänen.
[Zur Diskussion, evtl. als Unterpunkt einzugliedern:]
Bildungseinrichtungen werden von der Bundeswehr zu Werbezwecken genutzt. Durch allgemein beitragsfreien Zugang zur Bildung erübrigt sich der finanzielle Anreiz von Ausbildungen oder Studien bei der Bundeswehr. Bildung darf von militärischen Interessen nicht beeinflusst werden.
[Kursivgedrucktes geht zurück auf Diskussionsbeiträge im Forum und soll Änderungswünsche/Kritik bezüglich des Vorschlags vom 15.11.09 repräsentieren.]