Forderungen der BesetzerInnen der Ludwig-Maximilians-Universität

Stand: 22.11.2009

Demokratisierung der Bildung

Wir fordern von dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst:

  1. Die Staatsregierung wird aufgefordert, das Bayerische Hochschulgesetz dahingehend zu ändern, dass auch in Bayern Studierendenvertretungen den Status verfasster Studierendenschaften haben, welche als Körperschaften öffentlichen Rechts fungieren, ein politisches Mandat tragen und über ihre finanziellen Mittel selbst bestimmen.
  2. Die Staatsregierung wird aufgefordert, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass landesweite Studierendenvertretungen auch auf Bundesebene als verfasste Körperschaften öffentlichen Rechts anerkannt werden.
  3. Die Staatsregierung wird aufgefordert, das Bayerische Hochschulgesetz so zu überarbeiten, dass alle Entscheidungsgremien an den Hochschulen demokratische Strukturen aufweisen, d.h.
    1. eine Neugliederung aller Entscheidungsgremien der Hochschule nach einer sachbezogenen Viertelparität, bei der die vier Gruppen der Universität (BayHSchG Art 17,2) gleichberechtigt sind,
    2. die Abschaffung von Konkordatslehrstühlen,
    3. die Abschaffung des Hochschulrats (BayHSchG Art. 26)
    4. die Übertragung der Rechte des bisherigen Hochschulrats an den Senat, wobei der Hochschulleitung beratende Sitze zugewiesen werden (Änderung des Art. 25 BayHSchG)
    5. eine viertelparitätische, sachbezogene Organisation des Senats,
    6. ein Senat, der öffentlich tagt und mindestens vier Wochen vor jeder Sitzung die Universitätsmitglieder einlädt und die Tagesordnung veröffentlicht,
    7. neben einem/einer Gleichstellungsbeauftragten, jeweils einen Sitz für einen Beauftragten für Behinderte und für MigrantInnen in allen Entscheidungsgremien.

Für eine freie, selbstbestimmte, partizipatorische Bildung

Wir fordern eine grundlegende Reform des Studien- und Lernsystems.

Wir fordern von der LMU und allen ihren Gremien:

  1. Die LMU und alle ihre Gremien werden dazu aufgefordert, für eine Ausnutzung der vollen Bandbreite der Regelstudienzeit für Bachelor- und Masterstudiengänge und eine dementsprechende Auslegung des Lehrangebots zu sorgen und sich für einen größeren Spielraum der Höchststudiendauer bei der Staatsregierung einzusetzen.
  2. Die LMU und alle ihre Gremien werden dazu aufgefordert, eine freie Fächerkombination zu gewährleisten sowie einen Fachwechsel jederzeit zu ermöglichen. Daher fordern wir die Abschaffung der breiten Nebenfächer, da sie die Anwahl der Einzeldisziplinen nicht mehr möglich machen.
  3. Die LMU und alle ihre Gremien werden dazu aufgefordert, den Wahlanteil gegenüber dem Pflichtanteil an Lehrveranstaltungen wieder signifikant zu erhöhen.
  4. Die LMU und alle ihre Gremien werden aufgefordert, die Anwesenheitspflicht abzuschaffen.
  5. Die LMU und alle ihre Gremien werden dazu aufgefordert, sich auf Bundes- und Europaebene dafür einzusetzen, dass jedeR Bachelor-AbsolventIn die Möglichkeit hat, sein Studium mit einem Masterstudiengang fortzusetzen.
  6. Die LMU und alle ihre Gremien werden aufgefordert, innerhalb ihres Entscheidungsbereichs, der LMU München, zu gewährleisten, dass jede und jeder Bachelor-AbsolventIN der LMU München die Möglichkeit hat, an der LMU München einen Master-Platz zu bekommen. Um dies sicherzustellen, werden die LMU und alle ihre Gremien aufgefordert, die nötigen finanziellen, räumlichen und personellen Mittel von der Staatsregierung einzufordern.
  7. Die LMU und alle ihre Gremien werden dazu aufgefordert, ihre finanziellen Mittel so einzusetzen, dass Lehre und Forschung in gleicher Weise ideell und finanziell aufgewertet werden. Damit muss eine massive Ausweitung von Stellen für Lehrende einhergehen, um bessere Betreuungsverhältnisse zu garantieren.
  8. Die LMU und alle ihre Gremien werden aufgefordert, jegliche Kosten, welche durch Reformen am Bildungssystem entstehen, in vollem Umfang vom Staatsministerium einzufordern.
  9. Die LMU und alle ihre Gremien werden aufgefordert, faire Beschäftigungsverhältnisse für alle ihre Beschäftigten zu gewährleisten.
  10. Die LMU und alle ihre Gremien werden aufgefordert, die Koordinatorenstellen massiv auszuweiten, um den Verwaltungsaufwand für die europa- und weltweite Anerkennung von Studienleistungen abdecken zu können.
  11. Die LMU und alle ihre Gremien werden aufgefordert, einen Projektraum für Studierende im Uni-Hauptgebäude einzurichten, der dauerhaft für studentische Initiativen zur Verfügung steht. Dieser soll unabhängig von der Studierendenvertretung allen interessierten Studierenden offen stehen.
  12. Die LMU und alle ihre Gremien werden aufgefordert, den Zeitraum, in dem eine Promotion als immatrikulierter Student in den Promotionsstudiengängen möglich ist, erheblich zu verlängern. Wir fordern, dass Promotionsstudierende nicht unentgeltlich Lehrveranstaltungen abhalten dürfen und dass die Betreuung durch den Doktorvater ausgeweitet wird.

Für Chancengleichheit in der Bildung

Wir fordern von der Staatsregierung:

  1. Die Staatsregierung wird aufgefordert, sofortige Maßnahmen zur Abschaffung der Studiengebühren einzuleiten und durch eine angemessene finanzielle Ausstattung der Hochschulen dafür zu sorgen, dass aus Studiengebühren erbrachte Leistungen nicht eingeschränkt werden.
  2. Die Staatsregierung soll sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die Wahl des Bildungsweges nicht von der sozialen Lage der Studierenden abhängig ist. Wir fordern eine angemessene Unterstützung durch den Staat, um für jeden Studierenden eine angebrachte Deckung der Lebenshaltungskosten zu gewährleisten.
  3. Die Staatsregierung soll sich auf Bundesebene einbringen, um deutlich zu machen, dass die Einführung von nationalen Stipendienprogrammen unsozial und elitär ist, da ihre Förderung in erster Linie sozial Begünstigten zukommen wird und sie langfristig eine Konkurrenz zum BaFöG darstellen.

Wir fordern von der LMU und allen ihren Gremien:

  1. Die LMU und alle ihre Gremien werden aufgefordert bis zur Abschaffung der Studiengebühren, mit sofortiger Wirkung die Studiengebühren auf das Mindestmaß auf 300 Euro zu senken wie es laut Bayerischem Hochschulgesetz möglich ist (Art. 71, BayHSchG). Wir fordern eine Rückzahlung der Differenz von 200 Euro für das laufende Semester.
  2. Die LMU und alle ihre Gremien werden aufgefordert, sich in der Öffentlichkeit und bei der Staatsregierung für die endgültige Abschaffung von Studiengebühren einzusetzen.

Gegen eine Ökonomisierung der Bildung

Wir fordern von der Staatsregierung:

  1. Die Staatsregierung wird dringend aufgefordert, die inhaltliche und finanzielle Unabhängigkeit der Hochschulen zu garantieren. Privatwirtschaftliche Einflussnahme auf die Inhalte von Lehre und Forschung muss verhindert werden (Art. 108, Bayerische Verfassung).

Wir fordern von der LMU und allen ihren Gremien:

  1. Die LMU und alle ihre Gremien werden aufgefordert, ihren Haushaltsplan und insbesondere auch eine detaillierte Aufstellung der Drittmittel-Einnahmen öffentlich zu machen.
  2. Die LMU und alle ihre Gremien werden aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass in keinen universitären Entscheidungsgremien Vertreter der Wirtschaft Mitspracherecht haben.
forderungen_lmu.txt · Zuletzt geändert: 31.12.2009 18:09 (Externe Bearbeitung)
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