Entgegen der Vorstellung im Plenum vom Donnerstag soll’s in der AG diversity nicht (nur) um Homosexualität gehen, sondern um „diverse“ Lebenswirklichkeiten, die im derzeitigen Universitäts-Apparat und darüber hinaus in verschiedenen Weisen keinen Raum finden. Wenn überhaupt, werden Diversitäts-Dimensionen wie Geschlecht, ethnische Herkunft, Alter, sexuelle Orientierung, Religionszugehörigkeit, Befähigung und Behinderung, psychische Verfassung, etc. getrennt voneinander behandelt. Dass und wie die unterschiedlichen Dimensionen zusammenhängen, fällt dabei immer wieder unter den Tisch. Analog dazu werden auch die dazugehörigen menschenfeindlichen Einstellungen in Form von Diskriminierung aufgrund der genannten Dimensionen selten zusammenhängend betrachtet.
Einführungsveranstaltungen in die Soziologie, die als in erster Linie zuständige Gesellschaftswissenschaft von der Wirklichkeit zum Beispiel lesbischer Gesellschaftsmitglieder weit entfernt sind. Also von Gesellschaftsmitgliedern, die sich selbst je nachdem als Migrantinnen, Mensch mit Migrationshintergrund oder –vordergrund, Muslima, Lesbe, Homosexuelle, Deutsche, Türkin, Ausländerin, Frau, Taubstumme, Atheistin, Mensch mit Behinderung, Hochbegabte, etc. bezeichnen oder bezeichnet werden. Raum findet eine >türkische< Bewerberin dagegen zum Beispiel in der (einen) Einführungsvorlesung zu Kultur, wodurch der ausgrenzende Eindruck vermittelt wird, nur sie habe Kultur, eine andere Mehrheit dagegen nicht.
Von der Frauenbeauftragten unserer Universität angebotene Gender Trainings: Während dort versucht wird, stereotype Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit zu hinterfragen, finden sich Menschen mit von „traditionellen“ heterosexuellen Lebensentwürfen abweichenden Vorstellungen in den angebotenen Inhalten nur sehr schwer wieder. Insofern stellen diese Trainings zwar eine Möglichkeit dar, eine bestimmte Form der Diskriminierung von Frauen zu thematisieren. Gleichzeitig geht damit aber eine Ausgrenzung anderer Lebenswirklichkeiten einher. Auch eine Verschränkung von Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern mit zum Beispiel ethnischen Herkünften findet dort erst Raum, wenn dieser von Teilnehmerinnen und Teilnehmern explizit eingefordert wird.
Diskussion, inwieweit auch unser Positionspapier von den genannten Beschränkungen betroffen ist. Es wird vorgeschlagen, darüber zu diskutieren, ob ein einzelner Punkt „Diversity“ bzw. „Diversität“ anstelle der beiden Punkte „Gender-Diskriminierung“ und „Rassismus“ in den Bildungsinstitutionen aufgenommen werden könnte oder ob es andere, integrativere Möglichkeiten gibt, den bis dato ausgeschlossenen Lebenswirklichkeiten gerecht zu werden.
Schließlich wird auf Basis eines angemessener formulierten Positionspapiers angestrebt, konkrete Forderungen und Vorschläge auszuarbeiten, die an Vertreter und Vertreterinnen einzelner Fächer, der universitären Verwaltung sowie darüber hinaus an alle interessierten und nicht-interessierten Personen gerichtet werden können.
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